Daniels Take
Anthropic hat OpenAI beim Umsatz überholt, und zwar fast ausschließlich mit Firmenkunden. Das ist kein Tech-Detail, das ist eine Ansage an jeden Berater: Das Geld fließt dahin, wo KI echte Geschäftsprozesse übernimmt, nicht in Chatbots für Endkunden. Gleichzeitig zeigt der Bain-Report, dass Käufer für KI-Versprechen Rekordpreise zahlen und hinterher feststellen, dass die Zahlen nicht liefern. Wer in den nächsten zwölf Monaten ein Mandat führt, verhandelt also über zwei Dinge: den Preis und die Frage, ob die KI-Story des Targets belastbar ist. Beides gehört in jedes Erstgespräch.
Daniel Szabo, Managing Partner, Generation Tech Partners
Die 10 Entwicklungen der Woche
OpenAI startet GPT-5.6
Aber nur mit Erlaubnis aus Washington
OpenAI hat am 26. Juni die neue Modellreihe GPT-5.6 vorgestellt: Sol als Spitzenmodell, Terra für die tägliche Arbeit, Luna als günstige Variante. Der eigentliche Knall steckt im Rollout: Zunächst erhalten nur rund 20 Organisationen Zugang, nachdem OpenAI die Modelle und den Release-Plan vorab mit der US-Regierung abgestimmt hat. Es ist der erste Modellstart, der unter expliziter staatlicher Koordination läuft. Die allgemeine Verfügbarkeit soll in den kommenden Wochen folgen. Terra liefert laut OpenAI die Leistung des Vorgängers zum halben Preis.
Washington verhandelt Release-Standards
Und will Anteile an KI-Laboren
Das Weiße Haus steht laut Berichten kurz vor einer Einigung mit OpenAI, Google und Anthropic über freiwillige Standards für die Veröffentlichung von Frontier-Modellen: Benchmarks, Testfristen, Zugangsregeln. Parallel hat OpenAI der US-Regierung eine Beteiligung von 5 Prozent vorgeschlagen, bewertet mit rund 42,6 Milliarden Dollar. Ähnliche Beteiligungen anderer Labore stehen im Raum. Die Ankündigung des Rahmenwerks wird bereits für die kommenden Tage erwartet.
Anthropic überholt OpenAI beim Umsatz
Mit Firmenkunden statt Konsumenten
Anthropic hat OpenAI bei der annualisierten Umsatz-Run-Rate überholt. Im April lag Anthropic bei 30 Milliarden Dollar, jüngste Berichte nennen bereits 47 Milliarden, während OpenAI je nach Zählweise auf 25 bis 33 Milliarden kommt. OpenAI bestreitet die Rechnung und verweist auf rund 8 Milliarden Dollar Differenz aus der Verbuchung von Cloud-Partnerumsätzen. Unstrittig ist die Struktur: Rund 85 Prozent des Anthropic-Umsatzes kommen von Unternehmen und Entwicklern, bei OpenAI dominiert das Endkundengeschäft, in dem rund 95 Prozent der Nutzer nichts zahlen.
Anthropic startet eigenes Wirkstoffprogramm
Und Claude Science
Anthropic hat am 30. Juni ein internes Programm zur Medikamentenentwicklung angekündigt, mit Fokus auf vernachlässigte Krankheiten, die für klassische Pharmakonzerne unattraktiv sind. Dazu kommt Claude Science, eine Arbeitsumgebung mit über 60 vorkonfigurierten Werkzeugen für Forscher, verfügbar als Beta für zahlende Kunden. Ein KI-Labor tritt damit erstmals selbst als Akteur in der Wirkstoffforschung an, statt nur Werkzeuge zu liefern.
Rekordhalbjahr im Venture Capital
510 Milliarden Dollar, 43 Prozent für zwei Firmen
Das globale Venture-Funding erreichte im ersten Halbjahr 2026 einen Rekord von 510 Milliarden Dollar. Allein OpenAI und Anthropic sammelten 217 Milliarden ein, also 43 Prozent des gesamten weltweiten Startup-Kapitals. Im zweiten Quartal floss mehr als 70 Prozent des globalen Startup-Kapitals in KI-Firmen, ein Jahr zuvor waren es knapp 50 Prozent. Dazu kamen Rekord-Exits: der SpaceX-Börsengang mit 1,77 Billionen Dollar Bewertung und die angekündigte Übernahme von Anysphere, dem Entwickler des KI-Coding-Tools Cursor, für 60 Milliarden Dollar.
Bain warnt vor dem KI-Gewinnerparadox
Premium-Multiples ohne Effekt in den Zahlen
Der Bain M&A-Halbjahresreport meldet anziehende Megadeals: Das globale Dealvolumen steuert auf über 5,3 Billionen Dollar für 2026 zu, knapp unter dem Rekord von 2020. Deals über 10 Milliarden Dollar legten in Zahl und Wert um über 50 Prozent zu. Gleichzeitig beschreibt Bain ein Gewinnerparadox: Käufer zahlen Premium-Multiples für KI-Fähigkeiten und stellen nach Closing fest, dass die versprochenen Effekte in den Zahlen fehlen. CB Insights zählte allein im ersten Quartal 266 KI-M&A-Deals, ein Plus von 90 Prozent zum Vorjahr.
EU AI Act: Transparenzpflichten ab 2. August
Der Aufschub gilt nicht für alle
Am 2. August 2026 beginnt die aktive Durchsetzung des EU AI Act für Anbieter großer KI-Modelle, mit Bußgeldern bis 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des Weltumsatzes. Zugleich greifen die Transparenzpflichten nach Artikel 50: KI-generierte Inhalte müssen gekennzeichnet werden, die technische Umsetzung muss bis Dezember stehen. Der Digital Omnibus hat zwar Hochrisiko-Pflichten auf 2027 und 2028 verschoben, Artikel 50 aber ausdrücklich nicht. Eine neue KI-Taskforce hat am 2. Juli die Arbeit aufgenommen.
ifo: Mehr als die Hälfte nutzt KI
KI im deutschen Mittelstand ist die Regel
Laut ifo-Umfrage setzten im Mai 2026 54,5 Prozent der Unternehmen in Deutschland KI ein, nach 40,9 Prozent im Vorjahr. Weitere 16 Prozent planen den Einsatz. KI-Nutzung ist damit im deutschen Mittelstand die Regel, nicht mehr die Ausnahme. Die Lücke zwischen Nutzern und Verweigerern wird zum Unterscheidungsmerkmal zwischen Targets.
Deepfake-Betrug steigt um 1.300 Prozent
KI-Betrug überholt Ransomware
Nach Zahlen des BSI sind Deepfake-Betrugsfälle um 1.300 Prozent gestiegen. KI-gestützter Betrug hat Ransomware als größtes Cyber-Risiko für Führungsetagen abgelöst: 73 Prozent der Chefs waren bereits betroffen oder haben Fälle im Umfeld erlebt. Angreifer imitieren mit KI-Stimmen und Videos Geschäftsführer in Zahlungsfreigaben. Der bekannteste Fall kostete den Ingenieurdienstleister Arup rund 23 Millionen Euro nach einer gefälschten Videokonferenz. Vier-Augen-Prinzip und Rückruf über einen zweiten Kanal stoppen laut Sicherheitsanbietern 95 Prozent der Angriffe.
Nur 29 Prozent sehen messbaren GenAI-Ertrag
Agenten rücken an die Spitze der Prioritäten
Die Futurum Group hat 830 IT-Entscheider befragt: Autonome Agenten, also KI-Programme, die Aufgaben eigenständig zu Ende führen, legten als Technologie-Priorität um 31,5 Prozent zu. Rund 31 Prozent der Unternehmen haben bereits mindestens einen Agenten produktiv im Einsatz, Banken und Versicherer führen mit rund 47 Prozent. Zugleich berichten nur 29 Prozent von signifikantem Ertrag aus generativer KI, bei Agenten sind es 23 Prozent. Wo es funktioniert, gewinnen Wissensarbeiter im Median 6,4 Stunden pro Woche.
Der Deal-Hack der Woche
Das IM in 30 Minuten zerlegt
Die strukturierte Erstanalyse
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Wo setzen Sie KI heute im Mandat ein? Optionen: Origination / Buyer-Research; IM- / DD-Analyse; Pitch / Dokumentation; Noch gar nicht; Other. Das Ergebnis lesen Sie in der nächsten Ausgabe: Wir zeigen, wo der DACH-Markt wirklich steht, nicht wo er laut Konferenzbühnen stehen sollte.