Wie berechnet man den Wert meines Unternehmens (Enterprise Value)?
Der Unternehmenswert wird im Mittelstand primär durch die Qualität der Cashflows und die operative Stabilität bestimmt. Maßgeblich sind Faktoren wie Inhaberunabhängigkeit, wiederkehrende Umsätze und die Skalierbarkeit des Geschäftsmodells, die gemeinsam den nachhaltigen Wert für Käufer definieren.
Was ist das 'Adjusted EBITDA' und warum ist es höher als mein Gewinn?
Das Adjusted EBITDA ist der wahre, operative Ertrag Ihres Unternehmens, bereinigt um persönliche Kosten. Wir rechnen private Ausgaben (PKW, Reise) und überhöhte Geschäftsführergehälter heraus. Da der Kaufpreis ein Vielfaches (z.B. Faktor 6) dieses Wertes ist, erhöht jeder Euro Bereinigung Ihren Verkaufspreis massiv.
Was bleibt netto für mich übrig (Enterprise vs. Equity Value)?
Der Enterprise Value ist der Wert des operativen Geschäfts ('Brutto'). Der Equity Value ist das, was tatsächlich auf Ihrem Konto landet ('Netto'). Die Formel (Equity Bridge): Enterprise Value abzüglich Bankschulden zuzüglich vorhandener Barmittel (Cash). Sie verkaufen 'schuldenfrei', dürfen aber das Cash meist behalten.
Was bedeutet die Working Capital Anpassung?
Die Working Capital Anpassung schützt den Käufer davor, ein 'ausgehöhltes' Unternehmen zu übernehmen. Liegt das Umlaufvermögen (Warenlager, Forderungen) bei Übergabe unter dem Durchschnitt der letzten 12 Monate, sinkt der Kaufpreis. Liegt es darüber, erhalten Sie eine Nachzahlung.
Was ist ein Earn-Out und muss ich das akzeptieren?
Ein Earn-Out ist eine variable Kaufpreiskomponente (oft 10–20 %), die erst später gezahlt wird, wenn Umsatzziele erreicht werden. Für Sie als Verkäufer ist das ein Risiko. Wir versuchen, den Fix-Anteil (Cash at Closing) zu maximieren, damit Sie Ihre Sicherheit sofort haben.
Share Deal vs. Asset Deal – Was ist steuerlich besser für mich?
Der Share Deal (Verkauf Ihrer GmbH-Anteile) ist für Verkäufer fast immer besser. Hier liegt die Steuerlast oft nur bei ca. 1,5 % (in einer Holding) oder ca. 25 % (privat). Beim Asset Deal (Verkauf einzelner Wirtschaftsgüter) drohen Steuerlasten von über 45 % durch Gewerbesteuer.
Wie viel Steuern zahle ich beim Verkauf?
Das hängt von Ihrer Struktur ab: 1. Verkauf über Holding: ca. 1,5 % Steuern. 2. Verkauf als Privatperson: ca. 24–28 % (Teileinkünfteverfahren). 3. Ab 55 Jahren: Einmalig ermäßigter Steuersatz ('halber Steuersatz') und Freibetrag nach § 34 EStG möglich.
Was ist der Unterschied zwischen Signing und Closing?
Das Signing ist der Notartermin (Unterschrift). Das Eigentum geht hier noch nicht über. Das Closing ist der Vollzug (Geldfluss & Anteilsübertragung), der oft 4–8 Wochen später stattfindet, sobald Bedingungen wie Bankfreigaben erfüllt sind.
Welche Garantien muss ich im Kaufvertrag geben?
Sie müssen garantieren, dass Ihnen die Anteile gehören (Title), die Bilanzen korrekt sind (Financials) und alle Steuern gezahlt wurden (Taxes). Wir begrenzen diese Haftung zeitlich und betraglich, damit Sie nach dem Verkauf ruhig schlafen können.
Was passiert mit meinen langjährigen Mitarbeitern?
Ihre Mitarbeiter sind gesetzlich geschützt. Gemäß § 613a BGB gehen alle Arbeitsverhältnisse unverändert auf den Käufer über. Es gilt ein einjähriges Kündigungsverbot. Da Fachkräftemangel herrscht, kaufen Investoren heute primär das Team – Entlassungen sind wirtschaftlich meist unsinnig.
Bleibt mein Firmenname bestehen?
In den meisten Fällen: Ja. Finanzinvestoren kaufen Ihre Marke und Ihren Ruf. Eine Umbenennung würde Kunden verunsichern und Firmenwert vernichten. Anders als bei Konzernen (die oft integrieren) bleibt bei Finanzinvestoren die Identität meist erhalten.
Strategischer Käufer oder Finanzinvestor – Wer passt besser?
Ein Stratege (Wettbewerber) zahlt oft mehr, integriert Ihre Firma aber komplett (Marke verschwindet). Ein Finanzinvestor (Private Equity) lässt Ihr Unternehmen operativ oft eigenständig, schätzt das Management und sichert das Lebenswerk als unabhängige Einheit.
Wie lange dauert der Verkaufsprozess?
Rechnen Sie mit 6 bis 9 Monaten für einen professionellen Prozess. Vorbereitung (2 Mon.), Marktansprache (2 Mon.), Prüfung/Due Diligence (3 Mon.), Vertrag (1-2 Mon.). Hektik kostet Geld – Sorgfalt sichert den Preis.
Was wird in der Due Diligence (Prüfung) untersucht?
Der Käufer prüft 4 Bereiche auf Risiken: Finanzen (Ist der Gewinn echt?), Recht (Sind Verträge sauber?), Steuern (Gibt es Nachzahlungsrisiken?) und Markt (Wie stabil sind die Kunden?). Wir bereiten diese Daten vor, damit es keine Überraschungen gibt.
Wie wird Geheimhaltung gesichert? Erfahren es die Mitarbeiter?
Diskretion ist oberstes Gebot. Wir nutzen anonymisierte Kurzprofile für die erste Ansprache. Interessenten erhalten Details erst nach strenger Verschwiegenheitserklärung (NDA). Mitarbeiter informieren wir erst ganz zum Schluss (Signing), um Unruhe zu vermeiden.
Brauche ich wirklich einen M&A-Berater?
Ein Verkauf ist komplexer als das operative Geschäft. Ein Berater schafft Wettbewerb unter Käufern (steigert den Preis oft um 20-30 %), übernimmt die belastenden Verhandlungen ('Bad Cop') und schützt Sie vor rechtlichen Fallstricken, damit Sie sich auf das Tagesgeschäft konzentrieren können.
Kann ich nach dem Verkauf sofort in den Ruhestand?
Das kommt darauf an. Bei Private Equity müssen Sie oft noch 12–24 Monate als Geschäftsführer an Bord bleiben ('Übergabe'). Wollen Sie den schnellen Ausstieg (3–6 Monate), suchen wir gezielt nach Search Funds oder Nachfolgern, die eigenes Management mitbringen.
Wie reduziere ich die Abhängigkeit von mir als Inhaber?
Um den Wert zu steigern, müssen Sie sich 'überflüssig' machen. 1. Bauen Sie eine zweite Führungsebene auf. 2. Dokumentieren Sie Wissen. 3. Übergeben Sie wichtige Kunden an Mitarbeiter. Eine Firma, die ohne Chef läuft, ist deutlich mehr wert.
Was ist eine Rückbeteiligung (Roll-Over)?
Oft wünscht der Käufer, dass Sie 10–20 % des Erlöses in die neue Firma reinvestieren. Das zeigt Ihr Vertrauen ('Skin in the Game'). Der Vorteil: Beim nächsten Verkauf der Gruppe partizipieren Sie erneut am Wertzuwachs – oft eine sehr lukrative Anlage.
Was ist ein Vendor Loan (Verkäuferdarlehen)?
Manchmal stunden Sie dem Käufer einen kleinen Teil des Preises (z.B. 10 %) als Darlehen für 3–5 Jahre. Es wird gut verzinst (5–8 %), ist aber ein Risiko. Wir nutzen dies nur, wenn es hilft, den Gesamtpreis signifikant zu steigern oder eine Finanzierungslücke zu schließen.